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RU 07/2011 - Medjugorje, wahr oder falsch?


MEDJUGORJE (ru, 21. Februar 2011) - Am 17. Februar organisierte RADIO-SILENCE (www.radio-silence.org ) in Paris eine „Abendessen Debatte“ (dîner-débat) mit dem Thema „Medjugorje - wahr oder falsch? ". Verteidiger des "Wahren" war der Vortragende Herr Michel de Poncins, Präsident des Radios, und Anfechter war Herr W. Wuermeling, Generalsekretär des gleichen Radios. Eine Diashow von 52 Fotografien, die aufgrund von verschiedenen Internetseiten zusammengestellt werden konnte, ließen die Teilnehmer in das Universum von Medjugorje eintauchen, wobei auch ein Video mit einer der letzten gefilmten "Erscheinungen“, jener vom 2.November 2010 mit der bekannten Seherin Mirjana (Erscheinungen seit 1981) bei voller Vision, gezeigt wurde.

Kurz gesagt: Medjugorje hat nur 2500 Einwohner, aber jährlich 2,2 Millionen Besucher oder Pilger. Zum Vergleich: Die Kathedrale Notre Dame in Paris hat 13 Millionen Besucher pro Jahr, die Basilika Sacre Coeur auf Montmartre in Paris 8 Millionen, der Eiffelturm 6 Millionen, und auch Lourdes hat 6 Millionen). Medjugorje befindet sich heute in Bosnien und Herzegowina, ganz in der Nähe der langen kroatischen Küste, und ist in der Tat ein besonderer Ort: 99 % der Bevölkerung sind katholische Kroaten. Man besucht es normalerweise, indem man im Hafen der römischen Stadt Dubrovnik an der Adria, gegenüber Gargano in Italien (Grab von Pater Pio), an Land geht und dann mit dem Auto in Richtung Sarajevo weiterfährt. Medjugorje befindet sich auf halbem Weg nach Sarajewo, 25 km vor der Stadt Mostar mit seiner bewundernswerten alten Brücke. Das Stadtbild von Medjugorje ist von einer großen Kirche und ihrem umliegenden Platz für Großversammlungen geprägt, und weiterhin vom Berg Crnica, wo die ersten Erscheinungen vor den 6 - und später 10 - Sehern ab dem 24. Juni 1981 stattfanden.

Niemand hat jemals die Muttergottes in Medjugorje gesehen außer den Sehern, welche aussagen, dass sie – manchmal täglich - Botschaften von der Muttergottes empfangen. Dementsprechend gibt es ein großes Angebot von Büchern mit Tausenden von „Himmelsbotschaften", von denen einige stark zugunsten von Papst Johannes Paul II geprägt sind. Zum Beispiel erklärte Frau Jelena Vasilj, dass die Allerseligste Jungfrau Maria ihr bei einer Erscheinung am 16. September 1982 gesagt habe, dass "Gott Johannes-Paul II die Kraft zur Besiegung Satans" verliehen habe. Im Allgemeinen ruft die Muttergottes bei ihren Erscheinungen in Medjugorje dazu auf, die allgemein bekannten katholischen Tugenden zu befolgen: Umkehr, Gebet (insbesondere der Rosenkranz), Nächstenliebe, die Sakramente. Und die Früchte dieser Aufrufe sind sichtbar und beeindruckend: viele Bekehrungen erfolgen in Medjugorje, insbesondere unter jungen Menschen aus allen Ländern. Die Stadt hat sich schnell in ein kleines Lourdes verwandelt, mit Hotels und Restaurants, Verkaufsläden mit Medaillen und Rosenkränzen, und auf den Straßen von Medjugorje hört man vielerlei Sprachen aus der ganzen Welt.

Was die Position des Ortsbischofs und der kirchlichen Behörden in Rom anbetrifft, wurde der Ton bereits am 10. April 1991 mit der "Erklärung von Zadar " der Konferenz der jugoslawischen Bischöfe gegeben: "Auf Grundlage der gemachten Nachforschungen ist es bis jetzt nicht möglich, den übernatürlichen Charakter dieser Erscheinungen oder Offenbarungen anzuerkennen". Diese Position hat sich praktisch bis heute nicht verändert, obwohl einige Bischöfe, und sogar Kardinäle - wie Mgr. Schönborn von Österreich im Januar 2010 – privat Medjugorje besucht haben und offensichtlich sehr beeindruckt zurückkamen. Kardinal Ratzinger hatte dekretiert, es sei nicht gestattet, in der gegenwärtigen Lage Diözesanwallfahrten nach Medjugorje durchzuführen, aber die Gläubigen könnten aufgrund persönlicher Frömmigkeit private Wallfahrten machen, solange die Kirche keine offizielle Stellungnahme bekannt gegeben habe. Zu diesem Zweck hat Benedikt XVI im Jahre 2010 eine offizielle Untersuchungsausschuss unter Vorsitz von Kardinal Camillo Ruini errichtet, welche mehrere jugoslawische Bischöfe umfasst, aber auch Psychologen, Ärzte, Wissenschaftler u.s.w. . Diese Kommission arbeitet seit März 2010, hat aber bis jetzt keine Stellungnahme abgegeben.

Währenddessen ist ein beunruhigender Tatbestand aufgetreten: die vatikanische Glaubenskongregation hat kürzlich den ehemaligen Pfarrer von Medjugorje, der zu Beginn der "Erscheinungen" dort amtierte und die ersten Bekanntmachungen darüber organisierte, Pater Tomislav Vlašic, in den Laienstand zurückversetzt. Es handelt sich um einen Franziskaner, der in der Folge in Italien eine Vereinigung "Königin des Friedens", die angeblich auf einen ausdrücklichen Wunsch der Muttergottes von Medjugorje zurückgehe, aufgebaut hat. Pater Vlašic wurde folgender Fehler angeklagt : "Verbreitung einer zweifelhaften Lehre, Manipulation der Gewissen, verdächtige Mystik, Ungehorsam gegenüber legitim gegebenen Weisungen sowie die Verletzung des 6. Gebotes" (er hatte in der Tat ein Kind von einer Nonne). Im Gegensatz dazu hat Johannes-Paul II. nie etwas gegen Medjugorje gesagt, im Gegenteil: "Wenn ich nicht Papst wäre, säße ich schon in Medjugorje beim Beichthören", habe er angeblich bereits im Jahre 1987 gesagt.

Angesichts all dessen, was sollen wir nun davon halten? Die Kirche nähert sich Erscheinungen immer mit äußerster Vorsicht, mit dem festen Willen zur Wahrheitsfindung und mit der üblichen Einladung "eher gemäss dem Evangelium zu leben als Erscheinungen nachzulaufen", wie es vor kurzem der Sekretär der Päpstlichen Medjugorje-Kommission formuliert hat. Er wies auch darauf hin, dass die Kirche nie von der Gläubigen verlangt, an Erscheinungen zu glauben, auch nicht an die von der Kirche anerkannten Erscheinungen (Lourdes, Fatima, Laus etc. ). Heute gibt es geradezu einen Trend, aller Art von Erscheinungen hinterherzulaufen, anstatt aufgrund eines soliden Glauben, der in den Stürmen der Zeit und angesichts der immer näher kommenden Verfolgungen Schutz und Kraft gibt, zu leben. Der Hl. Johannes vom Kreuz zeigte uns den Weg, als er predigte: "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass alle Visionen, Gefühle und anderen außernatürlichen Erfahrungen weniger wert sind als der geringste Akte der Demut. " Eine angeregte, aber sehr respektvolle allgemeine Debatte beschloss diesen interessanten Abend.

-  O.A.M.D.G.  -



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